Freitag, 20. Dezember 2013

Saint Boxing Day - ein Bericht zur Premier League

Kommende Woche ist es wieder soweit: Der Boxing Day findet statt. Über diesen Tag, dessen Tradition und weshalb genau diese in England bedroht zu sein scheint.

Während der normale, in diesem Falle leidtragende, Fan mit Entzugserscheinungen sich mehr oder weniger verbittert durch die obligaten Familienfeste beisst, pilgert der englische, in diesem Falle glückliche, Fan ins Fussballstadion und kommt in den Genuss dieses wunderbaren Spiels. Es scheint beinahe eine gewisse Logik zu beinhalten, wenn das mit dem religiös anmutenden Namen bezeichnete "Mutterland des Fussballs" am zweiten Weihnachtstag, der - na klar - auf religiösen Begebenheiten gründet, Fussball spielen lässt. Ähnlich traditionsbewusst, wie sich die verschiedensten Glaubensrichtungen ihren Bräuchen hingeben, begeht man auf der Insel auch den Boxing Day. Vereinzelt verkleiden sich Stadionbesucher als Weihnachtsmänner. Bereits zur Mittagszeit füllen sich die Pubs rund um die Stadien. Die Stimmung, so der Tenor vom Gros der Stadionbesucher, sei an diesen Partien immer sehr speziell. Fussball-England lechzt nach 'Football'.

Auch wenn die Modernisierung des Fussballs zweifelsohne Vorteile mit sich bringt, werden nicht selten Stimmen laut, die sich über die die heutigen Verhältnisse im englischen Vereinsfussball ärgern. Vor allem betagtere Anhänger werden sich sehnsüchtig an die Zeiten erinnern, als man für ein paar wenige Pfund ins Stadion gehen konnte. Ärgerlich vor allen Dingen, wenn man sich bei anderen Ländern umsieht. So bezahlt man für die günstigste Dauerkarte in der Bundesliga lediglich 130 Euro (VFL Wolfsburg). Bei Manchester City bekommt man diese für 357 Euro - Spitze in der Premier League. Bei Arsenal kostet der Spass 1177 Euro, während man in der Bundesliga für 217.50 Euro (Eintracht Braunschweig) eine Saison lang ins Stadion darf.  Höchstpreise in den jeweiligen Ligen. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu geniessen. Immerhin sind in Deutschland die Stehplätze erlaubt, was ein Ticket natürlich günstiger macht. Das mit den Stehplätzen ist sowieso so eine Sache. Seit Anfang 90er-Jahre sind sie im britischen Fussball strikt verboten. Die Tragödien von Heysel und Hillsborough 1985 und 92 besiegelten das Ende der Stehplätze. Ob die Sicherheit parallel mit der Einführung dieses Verbots zugenommen hat, ist in der gesamten Fussball-Welt nach wie vor ein kontrovers diskutiertes Thema.

Gleichzeitig aber präsentiert sich die Premier League auf finanzieller Ebene als bedeutend ergiebiger als die Bundesliga. Die Summe, welche Englands höchste Spielklasse im Zeitraum weniger Jahre mehr verdient als Deutschlands Eliteklasse, bewegt sich im Milliarden-Bereich. Bleibt noch der fade Beigeschmack der unzähligen Investoren. Fans der United in Manchester kämpfen seit 2005 gegen den Investor Malcolm Glazer an, der die Red Devils mehr als Unternehmen, als ein Verein mit Herz sieht. Fussball interessiert ist der US-Amerikaner nämlich nicht. Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch leistete bei der Übernahme 2003 Pionier-Arbeit, was Investitionen im grossen Stil bei Fussballclubs angeht. Der Russe hat längt die Milliarden-Marke geknackt. Diese wird in absehbarer Zeit wohl von weiteren Geldgebern ebenfalls erreicht werden. Manchester City scheint auf alle Fälle auf dem besten Weg dahin zu sein. Klar, mit so viel Geld landet man in den meisten Fällen schnell in den oberen Tabellenregionen.

Dennoch gibt es genügend Argumente, welche die Erfolgs-Komponente Geld mit Recht kritisch hinterfragen. Dabei zielen diese Kritiker nicht einmal auf den Faktor Tradition ab. Man braucht nur die Erfolglosigkeit der englischen Nationalmannschaft zu betrachten. Was das mit dem exzessiven Geldverpulvern zu tun hat? Einiges. Oft nur als bedeutungslose Phrase ausgesprochen, taugt der Satz "Fussball ist ein schnelllebiges Geschäft", als Teil der Erklärung, wieso die englische Nationalmannschaft den Erwartungen hinterher hinkt. Denn: Im Fussball wird kurzfristiger Erfolg erwartet - zumindest meistens. Paart man diese Ungeduld mit genügend flüssigen Mitteln, entsteht eine Erwartungshaltung, die wenig Platz fürs Einsetzen eigener Talente ist. Das Risiko wäre schlicht zu hoch, einen unbekannten Jugendspieler einzusetzen. Stattdessen verpflichtet man fertige Spieler, von welchen man weiss, was man bekommt. Und wenn erst einmal ein solcher Millionen-Transfer über die Bühne geht, verpflichtet oft die Ablöse die Neuerwerbung dann auch spielen zu lassen. Es ist keine Seltenheit, dass talentierte Spieler auf diese Weise versauern. Verfolgt man diesen Gedanken weiter, sind weitere Ärgernisse für den Fan auszumachen. Stichwort Identifikation. Klar spielen auch ausländische Spieler guten Fussball. Mit Sicherheit wäre aber die Bindung zu den eigenen Anhängern enger, wenn man den einen oder anderen talentierten Spieler aus der Gegend auflaufen lässt.

In Zeiten, wo der englische Fussball also längst den Reizen der Kommerzialisierung verfallen ist, erfreut man sich auf der Insel umso mehr über diesen sportlichen zweiten Weihnachtstag. Zumal er nicht unumstritten ist. So stehen für den Tabellenführer Arsenal London zwischen dem 23. Dezember 2013 und dem 1. Januar 2014 rund vier Spiele an. Obwohl der traditionell gut gepflegte Rasen auf den britischen Fussballplätzen das Verletzungsrisiko der Spieler auf ein Minimum reduziert, ist die Belastung für die Sportler ungemein hoch. Zu den prominentesten Gegnern, der im im Gegensatz zu anderen gewichtigen europäischen Ligen fehlenden Winterpause, gehören ManU-Trainerlegende Sir Alex Ferguson und Gunners-Coach Arsene Wenger. Vor allem aber Mannschaften, die über ein breites Kader verfügen, sind da im Vorteil. Nicht wenige sind der Meinung, dass sich über diese Spieltage auch den weiteren Verlauf der Saison entscheidet. Knapp 58 Prozent der Teams, welche nach dem Boxing Day auf dem ersten Platz standen, sicherten sich anschliessend auch den Titel in der 1992 gegründeten Barclays Premier League.

Weshalb man den Spieltag am 26. Dezember so nennt, ist nicht klar definiert. Die wohl am weitest verbreitete Erklärung ist, dass sich früher die britischen Arbeitskräfte am 2. Weihnachtstag im Geschäft die Bonuszahlungen abgeholt haben - und zwar in Boxen. Ebenfalls beliebt ist die Behauptung, Geschenke wurden den Hausangestellten an diesem Tag von reichen Familien überreicht. Wiederum andere erklären sich die Namensgebung dadurch, dass die Kirche an diesem Datum Spenden für die Armen sammelte. Das Geld konnte man dann jeweils in eine Box legen.

Die Spielpaarungen:

Hull City vs Manchester United
Aston Villa vs Crystal Palace
Cardiff City vs Southampton
Chelsea vs Swansea City
Everton vs Sunderland
Newcastle United vs Stoke City
Norwich City vs Fulham
Tottenham vs West Bromwich Albion
West Ham vs Arsenal
Manchester City vs Liverpool

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